Als Opfer vieler Gewinnspiele musste eine adäquate Vorbereitung auf die im Juli stattfindende CRAFT BIKE Transalp her. So machte es Sinn durch die CRAFT Bike Trans Germany von Garmisch-Partenkirchen nach Bregenz ein Feeling für Etappenrennen zu bekommen. Dieses Etappenrennen unterteilt sich in vier Teilstücke über Lermoos, Pfronten und Sonthofen nach Bregenz: 286km, 7212hm
Nach Defektpech im Vorfeld wurde alles flux wieder in Schuss gebracht und Britta und ich machten uns am Dienstag auf die lange Anreise mit Zwischenstopp am Bodensee nach Garmisch Partenkirchen. Mein Auto stand also im Ziel, den Leihwagen gaben wir ab. Zwei Stunden später die erste Herausforderung. Viel zu kleine Transfer-Taschen für das, was wir mitgebracht hatten. Aussortieren war angesagt, Alexa nahm uns Überflüssiges für die Woche ab und wir beschränkten uns auf das Nötigste.
Mittwoch dann Start der ersten Etappe über 82km und 2154hm. Das Wetter war schlecht, Temperaturen um 12Grad und anhaltender Regen ließen unsere Erwartungen auf eine schöne Etappe schwinden. Trotzdem standen wir motiviert am Start mit 1202 Konkurrenten. Der Weg führte uns zunächst sehr steil auf die Partnachalm, von dort aus über Mittenwald stetig bergauf auf die Ehrwalder Alm. Hier waren wir 200m unter Schneefallgrenze und das Thermometer zeigte nur noch 4,4Grad. Nach einer eisigen Abfahrt folgten die letzten 700hm des Tages über die Tuftlalm nach Lermoos.
Für mich begann das Rennen bescheiden, denn an der ersten 20%igen Steigung staute sich alles auf, man holte mich vom Rad und die Kette vom Ritzel, so dass ich einige Minuten basteln musste um das Rennen fortsetzen zu können. Weit abgeschlagen war im engen Geläuf schieben angesagt, ehe ich später auf dem langen anstieg zur Ehrwalder Alm versuchte, meine Teamkollegen vom Cannondale Team Wein wieder zu erreichen. Trotz reichlich Nahrungsnachschub merkte ich auch durchnass einen deutlichen Kräfteverschleiß auf dem Gipfel. Nach der Abfahrt war ich völlig durchgefroren, konnte mich nicht mehr bewegen und ließ mir an der Verpflegung einige Riegel öffnen und zog mir klamme Winterhandschuhe an. Die letzten 700hm kurbelte ich kraftlos hinauf und stürzte mich in die letzten Abfahrten zum Ziel nach Lermoos. Platz 195 in 4:09:11 mit über einer Stunde Rückstand auf den Sieger Christof Sauser waren nicht respektabel, aber Fakt. Unser Hotel lag direkt neben dem Ziel. Schnell ging es warm duschen und am Abend zur Pasta Party, Pictures and Video oft he day und das Briefing für die zweite Etappe schauen.
Die zweite Etappe von Lermoos führte mit 74,7km und 1863hm nach Pfronten. Es waren im Grunde drei Anstiege à 400-500hm und einige kleinere Hügel zu befahren. Erst ging es hoch in den Ort Berwang, hinunter nach Weissenbach, hoch zum Adlerhorst, durch das wunder schöne Tannheimer Tal und schlussendlich hoch nach Lohmoos. Von hier folgte eine schnelle asphaltierte Abfahrt nach Pfronten. Wetterbesserung hatten wir erhofft, doch waren die Regenfälle der Nacht sehr ergiebig. Im ersten Streckenteil mussten überflutete Schotterwege ausgelassen werden, so dass wir auf Radwege auswichen. Doch auch diese standen bis zu 15cm hoch unter Wasser. So war man trotz Regenjacke schon nach 10min nass bis auf die Haut. Was hier abging, hatte ich in elf Jahren MTB Rennen noch nicht gesehen.
Im ersten Anstieg lief es deutlich besser als am Vortag und ich konnte mich auf einer breiten Straße nach vorne arbeiten. Bis nach Berwang hatte ich weiter einen guten Tritt gefunden. Im mittleren Teil konnte ich weiter Plätze gut machen, doch glichen die Wege hier teilweise reißenden Flüssen, so dass immer wieder Vorsicht geboten war. Viele Fahrer landeten im Wasser oder standen mit Defekten am Streckenrand. Dies wollte ich vermeiden. Der letzte Anstieg zog sich zunächst sehr lang auf Asphalt hinauf. Auf Schotter fuhren wir dann die letzten Meter bis über die Kuppe. Von hier folgte eine schnelle Schotterabfahrt, die über en welliges Flachstück in einen Straßenabschnitt hinunter nach Pfronten führte. Zum Glück fing ich trotz der Kleidung erst hier an zu frieren. Trotzdem ging es mit Krämpfen zum Ziel nach Pfronten. Platz 99 in 3:19:31h mit 33min Rückstand auf den Sieger Alban Lakata war schon besser zu verkraften als Etappe 1
Völlig durchgefroren kam ich am Hotel an, um fest zu stellen, dass unsere Taschen nicht da waren. Diese wollten auch am heutigen Tage nicht mehr auftauchen. Zunächst half uns Opa Mayer mit seinen Trainingsanzügen aus, ehe wir uns Dank der Hilfe von Katrin, Sonja , Alois und Michael einkleiden konnten. Frau Mayer wusch unsere Bikesachen, bekochte uns und stand tatkräftig zur Seite. Für die Hygiene am Abend halfen Einmal-Zahnbürsten aus dem Krankenhaus. Ja … auch sowas kann Trans Germany sein. Am Abend folgte die übliche Pasta Party etc … doch es folgte aufgrund der Ungewissheit über den Verbleib unserer Klamotten eine sehr unruhige Nacht.
Nichts desto trotz ging es weiter mit dem dritten Etappentag von Pfronten nach Sonthofen über knackige 55km mit 1830hm und ENDLICH strahlendem Sonnenschein. Für die Tagesverpflegung müssen wir Ebi und Claudia danken, denn auch hier fehlte es uns noch an allem. Über Asphalt sollte es heute zunächst nach Jungholz hinauf gehen, ehe nach einem kleinen Flachstück der wohl steilste Anstieg der Woche über die Buchler Alpe hinauf zur Schnitzlertal Alpe folgte. Dies waren etwa 5km Anstieg mit oben hinaus 28% Steigung –also einer Straße an der Wand- die in einer lehmigen Schiebepassage endete. Es folgte eine schnelle Abfahrt sowie zwei weitere Anstiege mit je etwa 450hm.
Nach dem Start versuchte ich mich wieder weiter nach vorne zu arbeiten, doch gelang dies nur bedingt, da wir fast in einer langen Reihe von vielen 100 Fahrern mit über 30kmh unterwegs waren. Am ersten Anstieg dann das Drama wie am ersten Tag. Stau, Absteigen, Schieben. Ich nahm es gelassen, wenngleich ich sowas von Marathons nicht gewohnt war. Es dauert bis hoch zur Buchel Alpe bis ich Teamchef Heiko und Horst erreicht hatte. Als wir in die erste lange Abfahrt gingen, waren wir alle etwas ausgeknockt. Im zweiten und dritten Anstieg des Tages lief es für mich dann besser. Sie waren nicht so mördersteil und ich konnte meine Kraft besser ins Spiel bringen. Trotzdem zog sich vor allem der letzte wie Kaugummi und ich war froh, irgendwann die wunder schöne Abfahrt nach Sonthofen erreicht zu haben. Da das Wetter echt gut war, konnten wir uns heute im Zielbereich bei schönem Wetter lange von der Etappe erholen und nachtanken. Gefinisht hatte ich heute auf Rang 111. In 2:37:31h mit 32min Rückstand auf den Sieger Christof Sauser. Dies war aufgrund der Staus unterwegs noch im Rahmen. Abends schlenderten wir gut gelaunt und sommerlich gekleidet zur Pasta Party im Freien – herrlich.
Die vierte und letzte Etappe von Sonthofen über 74,9km und 1385hm führte über Deutschlands höchste Passstraße Riedbergpass, Hittisau und einem Anstieg von Bozenau nach Buch über ein langes Flachstück direkt nach Bregenz am Bodensee. Das Wetter war erneut perfekt, doch trotz alledem war mir im Verlauf der Etappe immer weniger nach einem Rennen. Fuhr ich den mir schon bekannten Rietbergpass noch schnell hoch, ließ ich ab dem höchsten Punkt die Beine nur noch leicht kreisen. Auf 40km breite Asphaltstraße hatte ich in einem MTB Rennen kein Bock. Britta trat hinter mir aber gewaltig drauf, so dass Sie mich nach 2/3 des Rennens erreichte und wir ein wenig für die Transalp üben konnten. Nach 2 überstanden Staus mit insgesamt 15min Stillstand im Wald ging es im Duett ans Bregenzer Ufer. Die letzten 8km machten wieder viel Spaß. Wir feuerten mit 36kmh und mehr über geschotterte Radwege dem Ziel entgegen. Die Schlange hinter uns wurde dabei immer größer. Nach 3:31:30 erreichte ich zwar abgeschlagen auf Rang 303 das Ziel, aber das war dann auch egal. MTB sollte einfach MTB bleiben…
In der Gesamtwertung beendete ich so das Rennen „nur“ auf Rang 154 der 525 gestarteten Herren. Viel wichtiger war aber diesmal das Erlebnis, der hoffentlich positive Trainingseffekt und die Vorbereitung auf den großen Alpencross im Juli. Danken müssen wir allen, welche uns über die Woche unterstützt haben!
Da ich allerdings im Vergleich zu meinen Marathonjahren durch die mittlerweile vielen XC Rennen doch leichte Defizite bekommen habe, geht es wohl kommendes WE wieder auf eine lange Runde beim „Heimrennen“ in Willingen
